Web-Entwicklung & Fotografie
Henry Graffmann

Der Webhamster

Der Webhambster gehört zur Gruppe der Mäuseartigen und wird meist den Wühlern zugeordnet.
Sein Verbreitungsgebiet sind die gut vernetzten Gebiete rund um den Globus. Da der Webhamster eine neuzeitliche Erscheinung ist, gibt es keine fossilen Funde seiner Vorfahren. Antike mechanische Rechenmaschinen legen jedoch nahe, dass entfernte Verwandte der Webhamster bereits in grauer Vorzeit aktiv waren. So wird z.B. die Entstehung des berühmten Maya-Kalenders von einigen Archäologen den Vorfahren des heutigen Webhamsters zugeschrieben, wobei allerdings Uneinigkeit darüber herrscht, ob die in diesem Kalender für 2012 angekündigte Apokalypse für ein heute vergessenes Urwissen der alten Webhamster zeugt, oder ob dieser Termin die projektierte Deadline für die Fertigstellung des könglichen Intranets (vgl. die Knotenschrift der Inkas) darstellte.

Die innere Systematik der Hamster ist instabil. Die CMS-Hamster sind nicht näher miteinander verwandt, und auch die frame-benutzenden Hamster bilden vermutlich keine Verwandtschaftsgruppe. Letztere sind seit geraumer Zeit jedoch akut vom Aussterben bedroht. Im übrigen ist jeder Webhamster einmalig.

Als »hässliches, boshaftes und bissiges Geschöpf« wird der Webhamster in einer Ausgabe von »Brehms Tierleben« aus dem Jahr 1926 bezeichnet, das sich »furchterregend vermehrt und dann ungeheuren Schaden anrichtet«. Wir können nur vermuten, dass Brehm hier einer Verwechslung unterlag, da sich der Webhamster zumeist vor der Vermehrung fürchtet und Nachkommen nur unter Zwang zeugt, weil diese als "viel zu klein" gelten und überdies dazu neigen, die Ziffernfolge "123" als Passwort zu nutzen.

Der klassische Webhamster wird heute gemeinhin als Code-Wühler bezeichnet. Er ernährt sich in erster Linie von Code-Resten mit einer Vorliebe für HTML- und CSS-Schnipseln. PHP-Cookies ergänzen hin und wieder den monotonen Speiseplan.
In der freien Wildbahn sammeln Webhamster den ganzen Sommer über fleißig Links und Codebrocken, um damit über den Winter zu kommen.

Die Schlafgewohnheiten des Webhamsters sind flexibel bis diffus. Auch wenn er von Natur aus eine Tendenz zur Nachtaktivität hat, kann er sich relativ gut an die modernen Bürozeiten anpassen, soferne die Kollegen nicht allzu laut sind. Schlafmangel wird gerne mit dem Kopf auf der Tastatur kompensiert. Der scheinbar konzentrierte Blick auf den Bildschirm kann einen Laien leicht in die Irre führen. Der Tiefschlaf des Webhamsters gleicht äußerlich oft dem Zustand konzentrierten Arbeitens, ist jedoch physiologisch dem Winterschlaf der Nager näher als dem vermeintlichen Wachzustand. Der Versuch, einen Webhamster in diesem Zustand anzusprechen, entspricht dem Gespräch mit einer massiven Ziegelmauer.

Auftragslose Hamster verschlafen die Wintermonate in ihrem Nest. Davon lassen sie sich auch nicht durch die Mitteilung abbringen, dass es eigentlich Mitte August sei bzw. das Haus brennt. In solchen Fällen murmeln sie nur schlaftrunken "Erstmal Cache leeren" und versinken mit leisen Flüchen wider den MS IE in einer anderen parallelen Bewusstseinsebene, die freilich naturgemäß genauso schief ist.

Wenn der Hamster gerade aufsteht - lassen Sie ihn in Ruhe. Sind seine Ohren noch angelegt und die Augen noch nicht ganz offen, wirkt er verschlafen und langsam, dann warten Sie ab, bis sein Kaffe heiß ist, er sein Sandbad hatte, etwas gefressen hat, sein Gehege inspiziert hat und anfängt zu tippen.

Man sollte ihre Intelligenz nicht überschätzen, aber auch nicht unterschätzen. Der manchmal etwas schlichte Gesichtsausdruck rührt oft von langen Stunden höchster Konzentration her. Tiefe Erkenntnisse zeigen an der Oberfäche häufig wenig Regung. Bricht eine Idee (oder die vermeintliche Lösung eines komplexen Problems) jedoch an die Oberfläche durch, so mündet dies häufig in unkontrolliertem Jubel und ekstatischem Tanz. Bei Mitmenschen führt dies meistens zu Kopfschütteln, manchmal begleitet von Fluchtreflexen. Den wirren Erklärungen eines Webhamsters ob einer gelungenen Problemlösung können normale Menschen selten folgen, die in der Regel noch nicht einmal das Problem sehen und dem Webhamster gerne eine "Datenbank" vorschlagen.

In Rage bringen kann man ihn schnell mit unbedachten Äußerungen wie "mein Schwager kann auch ganz tolle Webseiten programmieren. Mit Frontpage geht das ganz leicht!" Ähnliche Erregungszustände sind sonst nur von Fotografen bekannt, denen der Kunde kund tut, dass er Hobbyfotograf sei und auch schon einmal einen Preis gewonnen habe (beim örtlichen Feuerwehrfest/Kindergartenfest, etc.) In solchen Situationen stellt er sich trotzig zur Wehr, knurrt tief und hohl im Innern, knirscht mit den Zähnen und reagiert mit einer Grundsatzkritik, die vom ineffizienten Design der Evolution als solcher (Schnabeltiere, Netzwerktechniker!) über die Politiker, die nichts vom Internet verstehen (Stichwort "Ausdrucker", analog auch: Leute, die den Automatik-Modus ihrer Kamera nutzen) bis zu einer Tirade gegen offene globale Variablen (Webhamster-Schimpfwort: Du hast ja wohl die Variable offen!) reichen kann. Unser Tip: Fragen Sie nicht, was offene globale Variablen sind.

Der moderne Webhamster hat einen ausgeprägten Hang zum Pflegen und Hegen, auch wenn man das seiner Höhle nicht ansieht. Er kommuniziert unter Pseudonym über soziale Netzwerke, hat eine Schwäche für angebissene Äpfel und fällt bei Festen und anderen sozialen Aktivitäten selten auf, weder positiv noch negativ. Wird er doch einmal aufdringlich, so genügt häufig die Aufforderung des Gastgebers, er möge doch mal den Drucker an den heimischen Computer anschließen, um ihn für mehrere Stunden ruhig zu stellen, die Flüche einmal ausgenommen. So erweist sich der Webhamster als ein nützliches und possierliches Tier.
Wird er hinter den Ohren gekrault, so schnurrt er W3C-konform vor sich hin.

Webhamster Qualität